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Donnerstag, 24. Juli 2008

Zitat des Tages

Hallo Ihr Lieben,

heute gibt es mal etwas zum Nachdenken. Und zwar:

"Daß kollektiv verbindliche Normen sich in individuell beliebige Entscheidungen auflösen, ist eines der größten Selbstmißverständnisse "freier" Gesellschaften."

Zugegebenermaßen ist das Zitat natürlich etwas aus dem Zusammenhang gerissen, aber ich finde man kann es durchaus auch ohne diesen verstehen. Der Autor verwendet es jedenfalls im Zusammenhang mit einem der beliebtesten Themen überhaupt - der Liebe. Und ich kann euch das Buch "Liebe in den Zeiten der Weltgesellschaft" von Karl Otto Hondrich nur ans Herz legen, denn ich bin bis jetzt schwer begeistert - wenn ich auch erst auf Seite 20 bin und daher, so ich es denn überhaupt komplett durchlese, noch nicht genau sagen kann, wie ich am Ende darüber denke. Vielleicht lasse ich es euch wissen!
Jukie - 24. Jul, 13:38

ok...

...es ist schon etwas verwirrend, so aus dem Zusammenhang. Daher noch kurz die Einbettung:

"Sosehr sich Petra [die "Beispielperson"] auch ein Kind wünscht - es soll ein Kind mit zwei Eltern sein, und ein Kind der Liebe.
Was auf den ersten Blick wie Petras individueller Wunsch erscheint, ist Ausfluß von tiefverwurzelten, weithin geteilten moralischen Vorstellungen, die wir nur deshalb nicht als solche erkennen, weil sie uns so selbstverständlich sind. Daß kollektiv verbindliche Normen sich in individuell beliebige Entscheidungen auflösen, ist eines der größten Selbstmißverständnisse "freier" Gesellschaften. Sie fordern zwar individuelle Entscheidungen - aber nur im Spannungsfeld verzweigter, feinmaschigerer und noch mehr kaschierter kollektiver Zwänge."

Ja, das ist jetzt vielleicht ein bißchen trocken so als Blogbeitrag. Ich fand es - nichtsdestotrotz - einen sehr interessanten Abschnitt, jedenfalls im Kontext des Buches.

DieKäthe - 25. Jul, 09:28

Nicht verwirrend...

... sondern eher missverständlich (weil wir ja schon einmal dabei sind), kam mir das zusammenhanglose Zitat noch vor, dass sich mir jetzt aber nach deiner Zusatzinformation viel eher erschließt. Ich dachte zu Anfang (selbstverständlich nur bis zu dem Zeitpunkt, als der Begriff "Liebe" ins Spiel kam), es handle sich bei dem Zitat um einen Beitrag zur Werteverfall-Debatte. (Ungefähr so: Früher bestimmten allgemeingültige Moralvorstellungen das Handeln, während eine vollkommen auf Individualität fokussierte Gesellschaft dem Einzelnen suggeriert, jedewede Entscheidung individuell treffen zu können und müssen, obwohl dennoch die moralischen Handlungsmuster erwartet werden. Oder so.)

Aber eigentlich wollte ich nur die Gelegenheit nutzen (weil wir ja schon einmal dabei sind), ebenfalls ein Quasi-Sachbuch zu empfehlen, das ich gerade mit großer Freude lese. Es handelt sich dabei um Pierre Bayards "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" - sehr großartig, sehr witzig, sehr lehrreich.

Ein schönes Königsblau übrigens - bevor wir hier zu intellektuell werden...

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