Mittwoch, 16. Juli 2008

Medienkonvergenz Galore

Am Anfang meiner kleinen Medienkonvergenz-Geschichte steht, wie immer: das Leben. In diesem Fall das Leben von Frederico Fellini, das sicher so einiges zu bieten hatte. Zum Beispiel ereilte den Regisseur nach der Verwirklichung von 7 1/2 Filmen eine kreativen Blockade, aus der heraus der Film "8 1/2" entstand. Fellini spiegelt darin seine Schaffensprobleme in seinen "Alter Egos" - sowohl in der Hauptfigur, dem fiktiven Regisseur Guido, wie auch in Marcello Mastroianni selbst, der Guido verkörpert. Die Blockade hat Fellini dabei en passant wohl auch noch überwunden, wurde der Film doch immerhin vom British Film Institute zum Drittbesten Film aller Zeiten gewählt. Soviel zum Übergang vom Leben in die Fiktion. Aber es geht noch weiter.

Durch "8 1/2" fühlte sich der italienische Bühnenautor Mario Fratti nämlich inspririert, ein Bühnenstück über Fellini zu schreiben. Dies hielt wiederum Ed Kleban, der Texter von "A Chorus Line", eigentlich für richtigen Musicalstoff. Zusammen mit dem Autor und Komponisten Maury Yeston schrieb Fratti sieben Jahre bis zur Entstehung von "Nine" - ein folgerichtiger Titel, den "8 1/2" plus ein bißchen mehr, nämlich Musik, das gibt neun. Schlußendlich sah 1981 Katherine Hepburn das Stück und war so begeistert, dass sie prompt Fellini anrief und ihn überredete, es am Broadway zu zeigen - wo es ab 1982 für zwei Jahre mit großem Erfolg lief.
Nach London und weiteren Stationen gab es 2003 eine große erfoolgreiche Wiederbelebung am Broadway mit neuen Szenen und Antonio Banderas in der Hauptrolle.

Dieser große Erfolg zieht jetzt, wir ahnen es schon, den nächsten Medienwechsel nach sich. Und der geht natürlich, wie könnte es anders sein - zurück ins Kino. Rob Marshal will sein Oscar-Erfolgsrezept von "Chicago" wiederholen und adaptiert "Nine" nun für Hollywood (aber nennt es nicht "9 1/2", was doch eigentlich lustig gewesen wäre...). Und, wie man es bei einem solchen Prestigeprojekt und Musicalerprobten Regisseur erwarten kann, ist schon die Besetzung Oscarreif: Den Mastroianni- und damit ja auch irgendwie Fellini-Part übernimmt Daniel-Day Lewis, ansonsten mit dabei sind Penelope Cruz, Sophia Loren, Judi Dench, Nicole Kidman und Marion Cotillard. Die Oscargewinner geben sich quasi die Klinke in die Hand. Vielleicht war das auch eine Bedingung, um überhaupt mitspielen zu dürfen. Es ist allerdings auch Kate Hudson mit dabei. Aber irgendwer muss den Oscar ja auch noch gewinnen, nicht wahr?

Ich bin jedenfalls schon mal gespannt - da muss man sich ja unbedingt vorher "8 1/2" ansehen und vergleichen, was bei den ganzen Medientransfers noch geblieben ist. Oder am besten Fellinis Biographie lesen. Spannend ist auch, wie wohl Daniel-Day Lewis' Singstimme ist. Und natürlich die nur schwer zu beantwortende Frage: Wie hätte Fellini der Film gefallen?

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