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Donnerstag, 20. März 2008

Der Präsident...

...der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush, sagte im Februar zum Thema Olympia-Boykott:

"Ich fahre zu den Olympischen Spielen. Ich betrachte die Olympischen Spiele als Sportveranstaltung."

Es ist wirklich unsagbar erschreckend, wie ein Mensch mit solch großer Macht derartig naiv sein kann...

Willi Lemke, der neu eingesetzte UNO-Sonderberater für Sport und Entwicklung, will sich auf die olympischen Ideale rückbesinnen und glaubt an die Vorbildfunktion und heilende Wirkung des Sports. Also auch an eine "heilende Wirkung" für China? Aber vermutlich simplifiziere ich hier mal wieder unzulässig und will viel zu unmittelbare Kausalwirkungen sehen... Ich frage mich einfach, ob dieses Fest des "friedlichen Wettstreits der Nationen" das wirklich leisten kann. Hoffen würde ich es ja... Und doch: Bei der Frage Olympia-Boykott scheint man vor allem darauf zu schielen, wie unpopulär ein solcher Boykott wäre... Spaßverderbend, ganz und gar nicht im Sinne des "Event". Und schon gar nicht im Sinne der Wirtschaft.
Peter Schwab - 20. Mrz, 10:53

Schwierig...

zu beurteilen ob ein Boykott sinnvoll ist oder die olympischen Spiele eine heilende Wirkung auf die Menschenrechtssituation in China und Tibet haben. Man könnte es sich für einen Boykott leicht machen und sagen, dass die Spiele 1936 als Beispiel eher eine gegenteilige Wirkung hatten, haben sie doch das Bild von Nazideutschland im Ausland zu Unrecht positiv beeinflusst. Oder man schaut sich dagegen die Wirkung der letzten Boykottmaßnahmen an. Hat der 1976er Boykott von afrikanischen Staaten wegen der Teilnahme von Neuseeland als "Unterstützer" des Apartheid-Regimes in Südafrika das System in Südafrika zum Einsturz gebracht? Hat der 80er Boykott Russland aus Afghanistan getrieben?
Die Olympischen Spiele sind schon immer noch ein Sportevent, allerdings ein sehr kommerzialisiertes. Und Willi Lemke ist natürlich momentan die Speerspitze für das olympische Motto "Dabeisein ist alles". Da kann man dann auch mal die eigene Kandidatur mit einem Millionenbeitrag der Bundesregierung positiv beeinflussen.

Jukie - 20. Mrz, 11:09

Schon immer noch ein Sportevent?

Natürlich ist es ein Sportevent, aber es ist einfach nicht unpolitisch und war es auch nie, entgegen der Behauptung von Bush und Konsorten. Im Gegenteil, es ist hochpolitisch. Und mit der Vergabe an China wirds doppelt und dreifach politisch. Einen Boykott führt man ja auch nicht durch, weil man annimmt, damit unmittelbar etwas zu erreichen. Wenn man politische Aktionen nur durchführen würde, um unmittelbar eine Veränderung zu bewirken, dann könnte man es gleich lassen. Es geht ja um das Setzen eines Zeichen - unabhängig von der unmittelbaren Wirkung.
Peter Schwab - 20. Mrz, 12:12

Ich hab schon immer noch...

nur versucht Argumente für und wider zu finden. Natürlich geht es bei einem Boykott unmittelbar um das Setzen eines Zeichens. Aber setzt man ein Zeichen, wenn man mit einem Regime engste wirtschaftliche Verbindungen hat, eigentlich fast alles vom Spielzeug bis zum Traktor dort für den eigenen Markt herstellen lässt und dann halt zu einer Sportveranstaltung nicht erscheint? Aber ich bin diesbezüglich gespalten und kann die Frage nicht wirklich beantworten.

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