Marathon, Medien und Mazzy Star
Wie gerne würde ich mich auch in anderen Tatort-Städten so gut auskennen, dass ich dieses kindlich-aufgeregte Gefühl empfinden könnte, welches mich immer bei den Frankfurter Tatorten überkommt. Mit gespannter Aufmerksamkeit versucht man, jede Totale, jeden Skyline-Blick und jede U-Bahnstation einzuordnen, auf dass einem auch kein bekannter Drehort entgehe!
Und hier kam man bei "Das letzte Rennen" ausreichend auf seine Kosten: Messe, Neue Mainzer, Festhalle, Museumsufer, Emser Brücke, Hauptwache, um nur einige zu nennen, und dazu sogar noch Galaxy Cheerleader. Doch nachdem ich zunächst dachte, der Marathon-Tatort würde sich im Lokalkolorit verlieren, ließ sich mal wieder beobachten, wie es der Frankfurter Tatort (nicht immer, aber oft) schafft, das Spezifische der Stadt in die Handlung zu integrieren, ohne dass diese zwingend an die Stadt gebunden wäre oder nur aus dem Stadtbezug resultierte. Ganz im Gegenteil erwies sich die Frankfurt-Bezogene Fährte - der freilich sehr frankfurterische serbische Gangster - doch als falsche, die auch noch sehr amüsant im biederen Vorort-Bordell endete.
Und wenn man auch darüber diskutieren kann, wie realistisch es ist, eine einzelne Person in einer Masse von 10.000 zu finden (um sie zu erschießen), wurde der Marathon doch nicht nur als aufregende Kulisse verwendet. Zumal das Marathon-Attentat vielleicht nüchtern betrachtet keine gute Idee ist, aber Nüchternheit eben keine Eigenschaft ist, die wie wahnsinnig auf Rache sinnende Menschen auszeichnet. Nein, der Marathon bringt einige medial sehr interessante Aspekte in unser tolles deutsches Medienformat Tatort. Zum einen verwischen hier die Grenzen zwischen Fiktion und "Reality", wenn am Tag des Marathons ein Spielfilm über den Tag des Marathons ausgestrahlt wird, der genau die Medienbilder (von Frankfurt und dem Marathon) reproduziert, die schon den ganzen Tag über die Fernsehbildschirme liefen. Zum anderen taucht das Motiv wiederum innerhalb der Handlung auf, wenn sich Charlotte Bilder des Marathons ansieht, während der Lauf (im Krimi) noch in vollem Gange ist. Und sie nicht nur ansieht, sondern vor- und zurückspult und immer wieder ansieht. Jaja, das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. Und das Zeitalter der permanenten Präsenz der Kameras. Läufer und Zuschauer werden bei einem medial (zumindest regional) ausgeschlachteten sportlichen Großereignis permanent zum Gegenstand der Kameras, und die Überwachung erstreckt sich sogar auf eine genaue Positionsbestimmung des Einzelnen. Sehr hübsch, dass es dann doch nicht immer so einfach ist, jemand trotz aller Überwachung zu finden. Vor allem, wenn man ihm tatsächlich etwas Gutes tun will, und nicht etwa um ihn zu verhaften oder ähliches. Kaum verliert man seinen Chip, ist man auch schon von den Bildschirmen verschwunden...
Ihr merkt es schon: Ich mochte diesen Tatort sehr. Und das Ende - ist das nun eine Befürwortung von Selbstjustiz? Späte Gerechtigkeit? Ein bißchen vielleicht, und man könnte unterstellen, dass man daher die Attentäterin gleich hat mitsterben lassen, damit alles p.c. bleibt. Aber vor allem ist es wohl eines: Traurig. Ganz egal, ob nur er stirbt oder sie oder beide, wird nicht der Eindruck erweckt, als könnte damit irgendetwas gerettert werden. Das eigentliche Unrecht liegt in der Vergangenheit und kann durch nichts mehr geändert werden. Und passend zu dieser traurigen Wahrheit, und passend zu der ganz persönlichen und aus vergleichsweise alltäglichen Gründen herrührenden Traurigkeit von Fritz Dellwo, der einfach nur seinen Marathon laufen wollte, zum Ende: keine tragische TV-Untermalungsmusik, sondern die traurige Stimme von Hope Sandoval (von der Band "Mazzy Star"). Wie toll ist das denn.
Und hier kam man bei "Das letzte Rennen" ausreichend auf seine Kosten: Messe, Neue Mainzer, Festhalle, Museumsufer, Emser Brücke, Hauptwache, um nur einige zu nennen, und dazu sogar noch Galaxy Cheerleader. Doch nachdem ich zunächst dachte, der Marathon-Tatort würde sich im Lokalkolorit verlieren, ließ sich mal wieder beobachten, wie es der Frankfurter Tatort (nicht immer, aber oft) schafft, das Spezifische der Stadt in die Handlung zu integrieren, ohne dass diese zwingend an die Stadt gebunden wäre oder nur aus dem Stadtbezug resultierte. Ganz im Gegenteil erwies sich die Frankfurt-Bezogene Fährte - der freilich sehr frankfurterische serbische Gangster - doch als falsche, die auch noch sehr amüsant im biederen Vorort-Bordell endete.
Und wenn man auch darüber diskutieren kann, wie realistisch es ist, eine einzelne Person in einer Masse von 10.000 zu finden (um sie zu erschießen), wurde der Marathon doch nicht nur als aufregende Kulisse verwendet. Zumal das Marathon-Attentat vielleicht nüchtern betrachtet keine gute Idee ist, aber Nüchternheit eben keine Eigenschaft ist, die wie wahnsinnig auf Rache sinnende Menschen auszeichnet. Nein, der Marathon bringt einige medial sehr interessante Aspekte in unser tolles deutsches Medienformat Tatort. Zum einen verwischen hier die Grenzen zwischen Fiktion und "Reality", wenn am Tag des Marathons ein Spielfilm über den Tag des Marathons ausgestrahlt wird, der genau die Medienbilder (von Frankfurt und dem Marathon) reproduziert, die schon den ganzen Tag über die Fernsehbildschirme liefen. Zum anderen taucht das Motiv wiederum innerhalb der Handlung auf, wenn sich Charlotte Bilder des Marathons ansieht, während der Lauf (im Krimi) noch in vollem Gange ist. Und sie nicht nur ansieht, sondern vor- und zurückspult und immer wieder ansieht. Jaja, das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit. Und das Zeitalter der permanenten Präsenz der Kameras. Läufer und Zuschauer werden bei einem medial (zumindest regional) ausgeschlachteten sportlichen Großereignis permanent zum Gegenstand der Kameras, und die Überwachung erstreckt sich sogar auf eine genaue Positionsbestimmung des Einzelnen. Sehr hübsch, dass es dann doch nicht immer so einfach ist, jemand trotz aller Überwachung zu finden. Vor allem, wenn man ihm tatsächlich etwas Gutes tun will, und nicht etwa um ihn zu verhaften oder ähliches. Kaum verliert man seinen Chip, ist man auch schon von den Bildschirmen verschwunden...
Ihr merkt es schon: Ich mochte diesen Tatort sehr. Und das Ende - ist das nun eine Befürwortung von Selbstjustiz? Späte Gerechtigkeit? Ein bißchen vielleicht, und man könnte unterstellen, dass man daher die Attentäterin gleich hat mitsterben lassen, damit alles p.c. bleibt. Aber vor allem ist es wohl eines: Traurig. Ganz egal, ob nur er stirbt oder sie oder beide, wird nicht der Eindruck erweckt, als könnte damit irgendetwas gerettert werden. Das eigentliche Unrecht liegt in der Vergangenheit und kann durch nichts mehr geändert werden. Und passend zu dieser traurigen Wahrheit, und passend zu der ganz persönlichen und aus vergleichsweise alltäglichen Gründen herrührenden Traurigkeit von Fritz Dellwo, der einfach nur seinen Marathon laufen wollte, zum Ende: keine tragische TV-Untermalungsmusik, sondern die traurige Stimme von Hope Sandoval (von der Band "Mazzy Star"). Wie toll ist das denn.
Jukie - 29. Okt, 23:01







